Allergie oder doch eine Unverträglichkeit?

„Für mich bitte einen laktosefreien Kaffee!“

„Ich nehme bitte einen Tee, aber ohne Honig!“

„Aua mein Bauch tut weh, ich glaube ich bin allergisch auf Milchprodukte!“

„Nimm lieber Sojamilch, die kann dein Körper besser vertragen!“

„Wenn du das nicht essen kannst, hast du sicher eine Lebensmittelallergie, wenn du mich fragst.“

Naaaa? Kommt dir vielleicht die ein oder andere Aussage bekannt vor? Hast du den ein oder anderen Satz schon einmal gehört, oder betrifft es dich sogar selbst? Die Frage aller Fragen stellst du dir aber immer noch?

Wenn du merkst das du ein Lebensmittel oder gar Lebensmittelgruppen nicht mehr gut verträgst, weil du Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfälle oder Ausschläge bekommst, woran kann das liegen? Womöglich eine Lebensmittelunverträglichkeit oder doch eine Allergie, gibt es hierbei überhaupt einen Unterschied?

Einige dieser Fragen möchte ich dir heute in meinem Blogartikel beantworten. Beginnen wir gleich mit dem konkreten Unterschied einer Lebensmittelunverträglichkeit oder auch Intoleranz genannt und einer Allergie.

Was ist eine Allergie?

Bei einer Allergie spricht man von einer überschießenden Reaktion des Immunsystems auf bestimmte Stoffe aus der Umwelt. Der Körper reagiert überempfindlich auf einen harmlosen Fremdstoff und bildet Antikörper. Hierbei spricht man von einer immunologischen Reaktion. Etwas 2-4% der Weltbevölkerung sind davon betroffen. 

Meistens ist die Neigung zu solchen Reaktionen angeboren. Aber auch die Veränderung unserer Essgewohnheiten führt zu einem jährlichen Zuwachs neuer Allergiker. Zurückzuführen auf kürzere Stillzeiten bei Säuglingen, zu frühe Zugabe von Beikost, Konsum exotischer Lebensmittel bei Erwachsenen, sowie stark verarbeitete Lebensmittel können zur Entstehung einer Allergie beitragen.

Allergie

Was sind Allergene?

Allergene sind winzig kleine, natürlich vorkommende Eiweißkörper. Diese rufen bei Allergikern die Bildung von Abwehrstoffen hervor, obwohl sie für den Körper keine Bedrohung darstellen. Der Körper versucht somit diese fremde Substanz loszuwerden und bekämpft sie – diese Reaktion des Immunsystems bezeichnet man als Sensibilisierung. Das Immunsystem kann nicht mehr zwischen schädlichen und unproblematischen Substanzen unterscheiden.

Häufige Allergene/Kreuzallergien: Fisch, Schalen-Krustentiere, Hühnerei, glutenhaltiges Getreide, Kuhmilch, Sellerie, Fenchel, Äpfel, Hülsenfrüchte, Soja, Nüsse, Erdnüsse, Samen, Karotte

Welche Symptome löst eine Allergie aus?

  • Juckreiz
  • Hautausschläge
  • Laufende Nase
  • Tränende Augen
  • Kribbeln der Mundschleimhaut
  • Schwellungen im Gesichtsbereich
  • Asthma-Anfälle
  • Verdauungsbeschwerden, wie Durchfall
  • etc.

Was ist eine Nahrungsmittelunverträglichkeit?

Bei einer Nahrungsmittelunverträglichkeit kommt es zu keiner Beteiligung des eigenen Abwehrsystems und somit auch zu keiner Antikörperbildung. Die Ursache liegt hier meist bei einem Enzymmangel. Unser Körper braucht Enzyme um ihn vor schädlichen Stoffen zu schützen, Nährstoffe zu spalten oder Wunden zu heilen. Fehlen uns diese Enzyme, kann unser Körper gewisse Substanzen nicht mehr verarbeiten und so kann es bei einer Nahrungsmittelunverträglichkeit sein, dass einige Bestandteile der Nahrung nicht mehr verwertet werden können. Dies äußert sich meist durch Magen-Darm-Probleme, Bauchschmerzen, Durchfälle oder Abgeschlagenheit. Eine Nahrungsmittelunverträglichkeit kann erworben oder genetisch bedingt sein. Mittels einer individuell angepassten Ernährungstherapie, können die Beschwerden reduziert und die Lebensqualität wieder verbessert werden.

Du leidest häufig unter einem aufgeblähten und harten Bauch wie im 8. Monat?

Dann bist du bei mir richtig! Gemeinsam finden wir eine individuelle Lösung, die zu dir und deinem Lebensstil passt.

Zu den häufigsten Nahrungsmittelintoleranzen gehören:

Fruktosemalabsorption

Der Körper besitzt Transportsysteme die ihm helfen, den Zucker den wir täglich zuführen, durch den Darm in den Blutkreislauf aufzunehmen. Für den Fruchtzucker ist hier der GLUT-5-Transporter zuständig. 

Bei einer Fruktosemalabsorption ist dieser Transporter gestört und der zugeführte Fruchtzucker gelangt nicht nur in den Dünndarm wo er beim gesunden Menschen aufgenommen wird, sondern auch in tiefere Darmabschnitte, wo er von Bakterien abgebaut wird. Dieser Prozess kann sehr unangenehm sein und verursacht zum Beispiel Blähungen, Völlegefühl, Bauchschmerzen, Übelkeit etc.

Durch einen H2-Atemtest kann eine Fruchtzuckerunverträglichkeit diagnostiziert werden. Da der Dickdarm Wasserstoff bildet, kann dieser in der Ausatemluft gemessen werden. Die Fruktoseintoleranz kann erblich bedingt sein und die Fruktosemalabsorption im Laufe des Lebens entstehen. Da sich Fruktose kostengünstig herstellen lässt und sehr süß schmeckt, wird sie gerne in der Industrie verwendet. 

Welche Lebensmittel enthalten Fruktose?

  • Kernobst (Äpfel, Birnen…) 
  • Steinobst (Marille, Pfirsich, Kirschen…)
  • Trockenfrüchte
  • Fruchtsäfte frisch und abgepackt
  • Mineralwässer mit Geschmack (mit Fruchtzucker gesüßt)
  • Limonaden
  • Honig
  • Wein
Laktoseintoleranz

Bei einer Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit) können Betroffene den Milchzucker Laktose nicht mehr vollständig verdauen, da ihnen das Enzym Laktase fehlt oder nur in unzureichender Menge produziert wird. Das Enzym Laktase spaltet beim gesunden Menschen die Laktose im Dünndarm zu den Einfachzuckern Glukose (Traubenzucker) und Galaktose (Schleimzucker) auf, um dann ins Blut aufgenommen zu werden.

Handportion Milch Diaetologie-Eberharter

Bei laktoseintoleranten Menschen funktioniert das nicht mehr und der Milchzucker gelangt unaufgeteilt in den Dickdarm, wo er von Bakterien unter Gasbildung abgebaut wird, dies löst dann die Beschwerden wie Blähungen und Durchfall aus. Die Laktoseintoleranz kann erblich bedingt sein, durch OPs oder durch den Abbau der Enzymwirksamkeit mit zunehmenden Alter. 

Wie viel Laktose trotzdem vertragen wird, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Durch einen H2-Atemtest oder einen Laktosetoleranztest mit Blutbild kann eine Diagnose festgestellt werden, worauf die Therapie angepasst wird.

Welche Lebensmittel enthalten Laktose? 

  • Milch, Kondensmilch, Molke
  • Speisen, die mit Milch zubereitet werden (Milchreis, Pudding…)
  • Joghurt, Buttermilch
  • Schokolade
  • Eiscreme
  • Hüttenkäse, Frischkäse, Topfen
  • Medikamente
Histaminintoleranz

Histamin wird vom Körper selbst gebildet und dient als Botenstoff. Es spielt in der Immunabwehr, der Regulierung des Schlaf-Wach-Rhythmus oder für die Lernfähigkeit eine wichtige Rolle. Histamin ist ein Abbauprodukt von Eiweißen und wird beim gesunden Menschen vom körpereigenen Enzym DiAminOxidase (DAO) im Darm abgebaut. Ist dieses Enzym nicht in ausreichender Mengen vorhanden, führt es zu einer verlangsamten Aufnahme und Problemen wie Kopfschmerzen, Hautreaktionen, Schwellungen, laufende Nase oder Magen-Darm-Beschwerden.

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Frauen, vor allem in den Wechseljahren sind öfter betroffen als Männer. Ärzte vermuten einen Zusammenhang zwischen Histamin und Hormonen. Eine gezielte Anamnese einer Diaetolog*in oder einer Allergolog*in können einen Hinweis auf eine Histaminintoleranz geben. Daraus erfolgt dann eine individuell abgestimmte histaminarme Ernährung.

Welche Lebensmittel enthalten Histamin?

Histamin entsteht in eiweißreichen Lebensmitteln unter Einwirkung von Mikroorganismen.

  • Käsesorten, die lange gereift sind
  • Thunfisch in Konserven, geräucherter Fisch, Meeresfische
  • Essig, Sojasaucen
  • Wein, Bier (blockieren die Aktivität des Abbauenzyms DAO)
  • Stark verarbeitete Wurstwaren (Rohwürste, Salami, Mettwurst)
  • Schokolade, Kakao, Marzipan, Speiseeis
  • Avocado, Melanzani, Pilze, Tomaten, Sauerkraut, Hülsenfrüchte…

Es gibt auch Lebensmittel welche Histamin freisetzen!

  • Zitrusfrüchte
  • Ananas, Erdbeeren, Papaya, Kiwi, 
  • Kakao, Nüsse
  • Hülsenfrüchte

Und welche, die das Enzym DAO blockieren!

  • Alkohol
  • Kakao
  • Energy Drinks
  • Schwarzer und grüner Tee
Sorbitintoleranz

Sorbit gehört zur Gruppe der Zuckeralkohole und ist ähnlich wie Fructose ein Zuckeraustauschstoff und wird als Süßungsmittel oder Feuchthaltemittel eingesetzt. In Zutatenlisten findest du es als E-Nummer 420.

Bei einer Sorbitunverträglichkeit ist der Abbauprozess im Dünndarm gestört, dass bedeutet, dass sich der Zucker nicht ausreichend verwerten lässt und in den Dickdarm weitergelangt. 

Die Folge sind Verdauungsbeschwerden, Blähungen, Durchfälle, Bauchschmerzen, Übelkeit oder Müdigkeit.

Wie auch bei der Fructosemalabsorption kann die Sorbitintoleranz durch einen H2-Atemtest diagnostiziert werden. Je höher der Gehalt, umso wahrscheinlicher ist eine Sorbitintoleranz. Kommt die Diagnose zustande sollte für mindestens 2-4 Wochen Sorbit gemieden und auf eine leichtverdauliche Kost zurückgegriffen werden. Erst bei erholtem Darm kann mit der Austestung der individuellen Toleranzgrenze begonnen werden. 

Welche Lebensmittel enthalten Sorbit?

  • Kernobst (Äpfel, Birnen…) 
  • Steinobst (Marille, Pfirsich, Kirschen…)
  • Getrocknete Früchte (Rosinen, Marillen, Apfelringe, Pfirsich)
  • industriell verarbeiteten oder kalorienreduzierten Produkten
  • Süßigkeiten, fertige Mehlspeisen, Kekse
  • Marmeladen, Kompotte
  • Wellnessgetränke (Mineralwässer mit Geschmack) 
  • Zuckerfreie Kaugummis und Bonbons

Ernährungstherapie

Ist man von einer Nahrungsmittelunverträglichkeit betroffen, sollte dies natürlich nicht außer Acht gelassen werden. Besonders wichtig ist hier eine personalisierte Ernährungstherapie

Diese Therapie funktioniert nach einem evidenzbasierten Stufenaufbauprinzip:

  1. Stufe Karenzphase (Magen-Darm-Trakt entlasten und Symptome lindern)
  2. Stufe Aufbau- und Testphase (Austesten der individuellen Toleranzgrenze)
  3. Stufe Ausgewogenen Langzeittherapie (personalisierte Ernährung)

Wenn du mehr über diese Therapie wissen möchtest, dann melde dich sehr gerne bei mir. Gemeinsam finden wir eine individuelle Lösung, die zu dir und deinem Lebensstil passt.

Dieser Beitrag wurde gemeinsam mit meiner Praktikantin Stefanie Rettensteiner geschrieben.

Literatur:
Alles-Essen. Fruktosemalabsorption. Abgerufen am 02.03.2021 unter https://www.alles-essen.at/fruktosemalabsorption
Alles- Essen. Histaminintoleranz. Abgerufen am 02.03.2021 unter https://www.alles-essen.at/histaminintoleranz
Alles- Essen. Laktoseintoleranz. Abgerufen am 02.03.2021 unter https://www.alles-essen.at/laktoseintoleranz
Apothekenumschau. Abgerufen am 03.03.2021 unter https://www.apotheken-umschau.de/Allergie
Ebner, C. (2018). Allergie. Abgerufen am 02.03.2021 unter https://www.netdoktor.at/krankheit/allergie-7612
Medizinische Universität Wien. (o.J.) Was ist der Unterschied zwischen einer Allergie und einer Intoleranz? Abgerufen am 02.03.2021 unter https://www.meduniwien.ac.at/hp/nahrungsmittelallergie/nahrungsmittelallergie/was-ist-der-unterschied-zwischen-einer-allergie-und-einer-intoleranz/
Österreichische Gesellschaft für Ernährung. (2014). Laktoseintoleranz Abgerufen am 02.03.2021 unter https://www.oege.at/index.php/bildung-information/diaetetik/allergien-unvertraeglichkeiten/1810-laktoseintoleranz
Österreichische Gesellschaft für Ernährung. (2014). Lebensmittelallergien und –intoleranzen. Abgerufen am 02.03.2021 unter https://www.oege.at/index.php/bildung-information/ernaehrung-von-a-z/54-bildung-information/ernaehrung-von-a-z/1771-lebensmittelallergien-und-intoleranzen
Österreichische Gesellschaft für Ernährung. (2014). Histaminintoleranz. Abgerufen am 02.03.2021 unter https://www.oege.at/index.php/bildung-information/diaetetik/allergien-unvertraeglichkeiten/1811-aktuelles-zur-histaminintoleranz-histaminose
ÖGK (2019). Fruchtzucker- Unverträglichkeit. Abgerufen am 02.03.2021 unter https://www.gesundheitskasse.at/cdscontent/load?contentid=10008.692078&version=1579250528
ÖGK (2019). Sorbit- Unverträglichkeit. Abgerufen am 02.03.2021 unter https://www.gesundheitskasse.at/cdscontent/load?contentid=10008.692080&version=1524028188
Foto: Honig von Steve Buissinne auf Pixabay

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