Verschwendung von Lebensmittel

Essen verschwenden ist Mist!

Weltweit landet 1/3 der Lebensmittel, die zum menschlichen Verzehr geeignet sind im Müll. Das entspricht rund 1,3 Milliarden Tonnen pro Jahr. In Österreich liegt die geschätzte Summe der vermeidbaren Lebensmittelabfälle, ohne der landwirtschaftlichen Produktion, bei knapp einer Millionen Tonnen pro Jahr. Jeder von uns kann seinen Beitrag zur Vermeidung leisten. Wie dieser aussehen kann, erfährst du im Beitrag.

Abfall ≠ Abfall –
So teilst du Lebensmittelabfälle ein

  • VERMEIDBARE LEBENSMITTELABFÄLLE
    Dazu zählen jene Lebensmittelabfälle, die zum Zeitpunkt ihrer Entsorgung noch uneingeschränkt genießbar sind oder die bei rechtzeitiger Verwendung genießbar gewesen wären.

 

  • TEILWEISE VERMEIDBARE LEBENSMITTELABFÄLLE
    Vorwiegend Speisereste, die aufgrund unterschiedlicher Gewohnheiten im Müll landen, wie zum Beispiel Tellerreste.

 

  • NICHT VERMEIDBARE LEBENSMITTELABFÄLLE
    Darunter versteht man jene Lebensmittelabfälle, die im Zuge der Speisenzubereitung entfernt werden, wie zum Beispiel Bananenschalen, Knochen oder Eierschalen.

Wo kommt es zur Lebensmittelverschwendung in Österreich?

Entlang der gesamten Wertschöpfungskette kommt es zu Lebensmittelverlusten und –abfällen. Dazu gehören Landwirtschaft, Verarbeitungs- und Produktionsprozesse, Einzelhandel, private Haushalt und Außer-Haus-Verpflegung.

Streng genommen betrifft der Verlust von Lebensmitteln daher alle Stufen der Lebensmittelversorgungskette bis hin zu dem Punkt, an dem es eine Interaktion mit dem Endverbraucher gibt. Es schließt somit den Einzelhandel, die Anbieter von Lebensmitteldienstleistungen und die Verbraucher aus. Lebensmittelabfälle hingegen sind das Ergebnis von Kaufentscheidungen der Verbraucher oder von Entscheidungen der Einzelhändler, die das Verbraucherverhalten beeinflussen. Eine exakte Abgrenzung der Wertschöpfungsketten ist jedoch nicht immer möglich und Überschneidungen zwischen den einzelnen Bereichen sind zu berücksichtigen.

Lebensmittelabfälle

Bei der Ernte:

Nur ein Teil der landwirtschaftlichen Primärproduktion ist für die menschliche Nahrungsversorgung nutzbar, weil es während der Ernte zu sogenannten Ernteverluste kommt. Dazu kommt, dass ein Teil der Produkte auf Grund von Qualitätskriterien des Abnehmers aussortiert werden.

In der Produktion:

Durch die Weiterverarbeitung der Lebensmittel entstehen Prozessverluste, die die Menge an vermarktungsfähiger Ware minimieren.

Im Handel:

Hier kommt es beim Verteilen der Lebensmittelprodukte zu vermeidbaren Abfällen.
Der Lagebericht zu Lebensmittelabfällen und –verlusten in Österreich vom Jahr 2016 gibt an, dass rund 110.000 Tonnen Lebensmittelabfälle pro Jahr im Handel zu verzeichnen sind. Mit knapp 50 % sind Obst und Gemüse, gefolgt von Brot- und Backwaren der höchste Anteil davon.

In der Außer-Haus-Verpflegung:

Auf Basis des Forschungsprojektes der Initiative „United Against Waste“ wird in Österreich von rund 280.000 Tonnen Lebensmittelabfällen in der Außer-Haus-Verpflegung ausgegangen. Davon gelten 62,5 % als vermeidbar. Die Entstehungspunkte hängen von der Art des Betriebes ab (Gastronomie, Gemeinschaftsverpflegung, Beherbergungsbetrieb). Die Portionsgrößenanpassung und ein kostenloser Nachschlag könnten bereits zur Reduktion der Abfälle beitragen. Auch das Mitnehmen von Speisenresten könnte einen Beitrag dazu leisten.

Im privaten Haushalt:

Gerade in unseren privaten Haushalten landen viele genießbare Lebensmittel in den Müll. 276.430 Tonnen Lebensmittel landen pro Jahr im Restmüll. Das entspricht einer Menge von 33,1 kg pro Person und Jahr. Über die Hälfte davon, genauer gesagt 57,4 % gelten als vermeidbar!

„Fassen wir uns an die eigene Nase!“

Es gibt bereits eine Reihe von Untersuchungen, warum Lebensmittel im privaten Haushalt in den Müll landen. Hier eine Übersicht von Selzer M. (2010) der am häufigsten genannten Gründe:

Warenzugang (41 %)

  • Übersicht über Lagerung und Vorrat fehlt
  • Mindesthaltbarkeitsdatum ist überschritten
  • Spezielle Angebote und Werbung, Preisnachlass, günstigere Großpackungen
  • Geschenkte Lebensmittel von Gästen 
  • Zeitlich begrenzte Gartenernte mit großer Mengen

Einstellung (38 %)

  • Beim Einkauf nicht auf Haltbarkeit und Frische geachtet
  • Keine Lust, dasselbe öfters zu essen
  • Kauf mehrerer Lebensmittel, weil eine große Auswahl zuhause oder im Kühlschrank von der Familie erwünscht ist
  • Ausmisten, um Platz für Neues zu schaffen
  • Unsicherheit darüber, ob das Lebensmittel noch genießbar 
  • Einkäufe für das Gewissen: Kauf von Obst oder Gemüse, weil es gesund wäre, dies zu essen

Lifestyle und Lebensgewohnheiten (11 %)

  • Änderung der Lebensumstände wie Ernährungsumstellung oder Anzahl der Personen im Haushalt ändert sich
  • Flexible Tagesgestaltung, Essengehen, Änderungen des Kochvorhabens
  • Portionen für Kinder sind oft zu groß
  • Einkauf für bestimmte Personen und Anlässe

Falsche Lagerung (3 %)

  • Lagerung an unpassenden Orten
  • Gefrierbrand
Tipps zum Lebensmittelretten

10 Tipps für Essensretter

1. Lebensmittel sind Mittel zum Leben. Bevorzuge hochwertige Produkte und behandle Lebensmittel respektvoll. Teilen ist viel besser als Wegwerfen.
2. Einkauf planen und Liste mitnehmen.
3. Auf die richtige Lagerung kommt es an. Gemüse mag es kalt, nur Melanzani, Tomaten, Erdäpfel und Kürbis nicht.
4. Äpfel und Tomaten sollen allein von anderen Obst- und Gemüsesorten gelagert werden. Sie setzen Ethylen frei, ein Pflanzenhormon, das den natürlichen Reifungsprozess in Gang setzt.
5. Bei Obst gilt: Heimisches bevorzugen und kühl lagern, Exoten mögen es warm.

6. Was zu viel ist (durch Tiefkühlen) haltbar machen.
7. Die Resteküche liegt im Trend und spart Kochzeit. Bei „Die Umweltberatung“ bekommst du Ideen, was du daraus zaubern kannst. 
8. Verlasse dich auf deine Sinne anstatt auf das Mindesthaltbarkeitsdatum. Wir bringen doch unseren Fernseher auch nicht zum Schrottplatz nur, weil die Garantie abgelaufen ist
9. Lasse dir Speisereste auch im Restaurant einpacken.
10. Frage in der Kantine nach einer kleineren Portion und lasse dir bei Bedarf nachschöpfen.

Werde auch DU zum Essensretter!

Suche dir ein bis drei Punkte aus, die du konsequent verändern willst. Warum nicht mehr Punkte? Eine Veränderung braucht Zeit und ist mit einem ungewohnten Aufwand verbunden. Damit diese zur Gewohnheit werden und du nicht früher das Handtuch wirfst, empfehle ich dir Schritt für Schritt zu gehen.

Meine persönlichen Schritte zu einem nachhaltigeren Lebensstil, kannst du auf meinen Social-Media-Kanälen verfolgen.

Lebensmittelverschwendung

Was machst du gegen Lebensmittelverschwendung?

Lies hier weiter:

Quellen:
Fotos  ©Diaetologie Eberharter Petra
FAO. 2019. The State of Food and Agriculture 2019. Moving forward on food loss and waste reduction. Rome.
Lagebericht zu Lebensmittelabfällen und –verlusten in Österreich herausgegeben von WWF Österreich & MUTTER ERDE, Wien, März 2016.
Mutter Erde: Fakten zu Lebensmittelverschwendung: https://www.muttererde.at/fakten/ (Stand 05.12.2019)
Land schafft Leben, Hintergründe Lebensmittelverschwendung:https://www.landschafftleben.at/hintergruende/lebensmittelverschwendung?gclid=Cj0KCQjws-OEBhCkARIsAPhOkIaPJtNmOA-IwyVsBWRQxsKi9_c1cDhtRMVZD7j41v_lQL2zA2lY1eUaAj49EALw_wcB (Stand 10.05.2021)
Bundesministerium Landwirtschaft, Regionen und Tourismus: Lebensmittelabfälle in österreichischen Haushalten (https://www.bmlrt.gv.at/land/lebensmittel/kostbare_lebensmittel/initiative/Lebensmittel-in-oesterreichischen-Haushalten.html Stand 10.05.2021)
Luck S, Obersteiner G: Lebensmittelabfälle in österreichischen Haushalten – Status quo, Hrsg. WWF, Wien, April 2020.

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